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Trovato in: http://www.teleura.com/article/articleprint/6/-1/14/
Digitalia
Im italienischen Dorf Colletta lebt man in mittelalterlichem Ambiente. Doch die Metropolen der modemen Welt sind nur einen Mausklick entfernt
| "Hier kommt die Arbeit zum Menschen", schwärmt der 34-jährige Teledorf-Grunder Valerio Saggini, "nicht der Mensch zur Arbeit.
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Das italienische Bergdorf Colletta di Castelbianco bietet den Stoff, aus dem Büroträume sind: Es liegt abseits der italienischen Riviera im wildromantischen Pennavaire- Tal: graue Steinhäuser, verwunschene Gassen. Alte Pinienbäume spenden Schatten. Wie schön wäre es, jetzt dort zu sein, statt am Schreibtisch zu sitzen! Einen dampfenden Espresso in der Morgensonne zu trinken. ...
Seit diesem Sommer können Büroträumer bei des haben: Schreibtisch und einen Platz an der Sonne. Das ligurische Bergdorf, zwei Autostunden von Turin entfernt, ist zum ersten Teledorf des europäischen Festlands ausgebaut worden. Arbeiten im Paradies sozusagen -per Telefonanschluss und InternetComputer.
"Hier kommt die Arbeit zum Menschen", schwärmt der 34-jährige Teledorf-Grunder Valerio Saggini, "nicht der Mensch zur Arbeit." Denn innerhalb der meterdicken Mauem des Dörfchens aus dem 13. Jalrhundert pulsiert das nächste Jalrtausend: ein Hochgeschwin digk ei ts netz aus Glasfaser-Kabeln, leistungsstarken Computern und Standleitung für Internet, Digital.- Telefon uund Fernsehen. Von jeder Wohnung ist der Arbeitgeber zwar Huunderte von Kilometern, aber nur einen Mausklick entfernt.
Telearbeit heißt das Zauberwort. Vorbild in Sachen Teledörfer ist Großbritannien. Dort gibt es bereits über 150 idyllisch gelegene so genannte "Televillages". Zum Beispiel Crickhowell in Wales. Das einst bereits aufgegebene Bergbaustädtchen entwickelte sich durch seine Anbindung an das weltweite Datennetz Internet zum Technologie-Zentrum mit überdurchschnittlich hohem Wirtschaftswachstum.
Vorbild waren die englischen Televillages
Hoch qualifizierte Bewohner arbeiten jetzt von zu Hause aus in Forschung, Entwicklung oder als Software-Experten. Dazu wurden die 39 Häuser im Dorf komplett umgestaltet: Glasfaserkabel sorgen für einen direkten Anschluss ans digitale Telefon- und Datennetz. Büroräume wurden in die Wohnräume integriert -mit verschiebbaren Wänden, die es erlauben, die Arbeits- beziehungsweise die private Welt ständig in ihrer Größe anzupassen.
In Deutschland gibt es 800 000 Tele-Arbeitsplätze
In Deutschland ist man weit entfernt vom Leben im globalen Dorf. Zwar schätzt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, dass hierzulande rund 800.000 Telearbeitsplätze existieren. Doch diese seien hauptsächlich über Großstädte verteilt. Kritiker warnen hier verstärkt vor der Gefahr der sozialen Isolation: kein Plausch in der Kaffeepause, kein Mittagessen mit Arbeitskollegen.
DochTrendforscher wie der amerikanische Computer-Guru Nicholas Negroponte prophezeien schon lange, "dass die Menschen in Zukunft nicht mehr in die Städte hineinziehen, sondern aus den Städten ausziehen."
Wie Professor Alfredo Bezzi, Geologe an der Universität Genua - einer der ersten Colletta-Bewohner. Vier Tage pro Woche schreibt er gemeinsam mit einem amerikanischen Kollegen per Internet an einem lehrbuch "Englisch für Geologen". Montags, mittwochs und freitags fahrt er zu Vorlesungen ins eine Stunde entfernte Genua.
"Klar hätte ich mir irgendwo ein Ferienhaus mit Internet-Anschluss kaufen können", sagt der 62-]ährige. "Aber wir hier in Colletta haben eine Vision: Wir wollen die absurde Trennung von Arbeit und Leben endlich aufheben." Die Idee dazu hatte sein Freund, der Mailänder Internet-Designer Valerio Saggini: "Die modemen Telekommunikations- Techniken sind das richtige Mittel, um die Lebensqualität zu steigern. Niemand soll täglich zu seinem Arbeitsplatz in die Großstadt pendehl müssen."
Doch die Vision hat ihren Preis: 15 Millionen Mark hat die Renovierung der 60 hoch technisierten Apartments gekostet -Mittelalter-Atmosphäre inklusive. Immerhin hat Telecom Italia die Glasfaser-Kabel für die abgelegene Gegend spendiert, Computerhersteller Acer die Rechner und Bildschirme.
20 Wohnungen sind in dem Teledorf in Italien noch frei
In dem Gewirr von Gässchen, Gewölben und schmalen Durchgängen plauschen die 52 Bewohner im internet -Cafe mit dem Rest der WeIt, schauen sich Satelliten-Übertragungen von New Yorker Jazz-Konzerten im antiken Amphitheater an oder schicken einen eben fertig gestellten Architektur-Entwurf per elektrollischer Post zum Arbeitgeber. Zum Einkaufen gehen sie ins InternetKaufhaus -ein Supermarkt vor Ort ist nicht geplant.
Zwanzig Wohnungen sind in Colletta di CasteIbianco noch zu haben. Rund 250 000 Mark kostet ein 60Quadratmeter-Apartment, inklusive Fußbodenheizung, Glasfaser- Verkabelung und Gemeinschafts-Swimmingpool. Einen Job, der sich für die Telearbeit eignet, mussen Sie allerdings mitbringen. Übrigens: Für den zeitlich unbegrenzten Internet-Zugang zahlen die Dorfbewohner nur 350 Mark pro Jahr. Ein italienischer ßürotraum eben...
[Computer Bild, 11 november 1999]